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Im Juni gewann der Kradolfer René Hübner in der bulgari-schen Hauptstadt Sofia Bronze beim Armdrücken. Damit ist er für die Weltmeister schaft im Oktober 2018 in Antaly aqualifiziert. Dieser Erfolg ist aber nur die eine Seite der Medaille.

bulgarienZuletzt arbeitete René Hübner in Bottighofen in der Wohngemeinschaft Mühligässli, wo er Menschen mit einer Hirnverletzung betreute. Dabei knabbert er selbst seit vielen Jahren an den Folgen eines schweren Unfalls: 2005 wagte er auf der kanarischen Insel Fuerteventura einen kühnen Sprung in einen Pool. Ein neunjähriger Junge drohte zu ertrinken. Dabei rutschte Hübner selbst aus und zog sich eine schwere Verletzung zu: Er brach sich den Brustwirbel und war von heute auf morgen mit einer Querschnittslähmung ans Bett gefesselt. Er, der immer aktiv war und seinen Körper einsetzte. Seit 15 Jahren spielte er American Football und fuhr Moto-Cross - hatte plötzlich kein Gespür mehr in den Beinen.

Nicht Stamm-, sondern Stehtisch

Nach einem langen Kampf hat er nun seinen Weg wieder gefunden: Seit zwei Jahren betreibt René Hübner «Armwrestling», im Volksmund besser bekannt als Armdrücken. Nun will man denken, dass man dafür ohnehin weniger die Beine braucht als viel mehr Arme aus Stahl. Spätestens seit dem Film «Over the Top» aus dem Jahre 1987 gewinnt der Sport an Popularität. Sylvester Stallone vermittelt hier die Bot- schaft, dass Kraft nicht alles ist. «80 bis 90 Prozent kommt es beim Arm- wrestling auf die Technik an», betont auch Hübner. Er pflegtbis heute einen guten Kontakt zu dem geretteten Jungen, der heute in Hamburg lebt, und ist ihm sicherlich in vielerlei Hinsicht ein gutes Vorbild. Um sich vom Stammtisch-Armdrücken abzusetzen, heisst die professionelle Disziplin «Armwrestling». Man sitzt nicht am Tisch, sondern steht: An einem rund ein Meter hohen Tisch sind zwei Polster und ein Haltegriff auf beiden Seiten ange- bracht. Ein Polster für den Ellenbogen des Drückarms dieses muss immer in Kontakt zum Ellenbogen bleiben – ein zweites Polster, dass – wenn der Arm darauf landet den Kampf beendet. Die Sportart kam über die USA nach Europa. Gerade in Osteuropa würden Rollstuhlfahrer im Disabled-Armwrestling stark unterstützt, meint Hübner, gerne auch mal mit unlauteren Mitteln wie Doping.

Lediglich Lorbeeren.

renehuebnerFür ihn sei so etwas nie eine Option, «ich habe schliesslich meinen Stolz, durch meine sportliche Leistung zu überzeugen.» Und den darf er auch haben. Dreimal die Woche trainiert er im L.A.C. Verein in Amriswil (Löwen Arm Crew) und trotz derkurzen Zeit,die er den Sport betreibt, schmückt ihn die Bronzemedaille der dies jährigen Europameisterschaft. Im Gegensatz zum Film, in dem Stallone Preisgelder gewinnt, zahlt man hier beim Armwrestling eher noch drauf, für Start- gebühr und Reisekosten. Geld gibt's keines, nur den Ruhm und eine Urkunde. Darum ist der Leistungssportler auf Unterstützer angewiesen.EinerseinerSponsoren ist Markus Biedermann von der Firma Delta Security in Weinfelden: «René Hübner arbeitete in den vergangenen Jahren als geschätzter Teilzeitmitarbeiter in unserer Firma», so der Firmenchef. Sein Schicksal sei ihm gar nicht bewusst gewesen, bis er ihn via Sponsoringbrief kontaktierte: «Ich musste nicht lange überlegen, um seine positive Lebenseinstellung und seine sportlichen Ambitionen zu unterstützen.»

Quelle: http://www.obna.ch/

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